Schwarzwald-Baar-Kreis: Deutschlandticket im Taxi nutzen?

 

Der Schwarzwald-Baar-Kreis betritt Neuland in der Gestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Künftig soll das Deutschlandticket dort auch in Taxis gelten, die im Rahmen eines sogenannten „On-Demand-Verkehrs“ Buslinien ersetzen. Für Taxiunternehmen eröffnet dieses Modell nicht nur ein neues Geschäftsfeld, sondern positioniert das Gewerbe als unverzichtbaren Baustein der öffentlichen Daseinsvorsorge.


Das neue Modell im Schwarzwald-Baar-Kreis

Die Kreisräte des Schwarzwald-Baar-Kreises haben mehrheitlich beschlossen, schwach ausgelastete Busverbindungen durch flexible, bedarfsorientierte Fahrten zu ersetzen. Wo feste Linien und Fahrpläne wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sind, buchen Fahrgäste künftig bei Bedarf ein Fahrzeug, um ihr Ziel zu erreichen. Für diese „On-Demand-Verkehre“ kommen primär Taxiunternehmen oder taxiähnliche Angebote im öffentlichen Auftrag zum Einsatz. Das Besondere: Das bundesweit gültige Deutschlandticket wird dabei als Fahrschein anerkannt, auch wenn die Fahrt nicht in einem klassischen Linienbus erfolgt.



Warum das Taxigewerbe zum Schlüsselpartner wird

Hintergrund der Neuausrichtung sind die stetig steigenden Kosten im regionalen Busverkehr und der Druck, trotz knapper Haushaltsmittel ein umfassendes Mobilitätsangebot aufrechtzuerhalten. Landkreise suchen zunehmend flexiblere und wirtschaftlichere Betriebsmodelle, insbesondere in Gebieten und zu Zeiten mit geringer Nachfrage. Hier zeigt sich die Stärke des Taxigewerbes: Es bietet eine hochflexible Fahrzeugflotte, die bedarfsgerecht eingesetzt werden kann und damit eine effiziente Alternative zu oft leer fahrenden Linienbussen darstellt. Taxiunternehmen werden somit zu zentralen Akteuren bei der Sicherstellung der Mobilität im ländlichen Raum.



Chancen und Herausforderungen für Taxiunternehmen

Für Taxibetriebe bietet dieses Modell ein signifikantes zusätzliches Geschäftsfeld im öffentlich finanzierten Verkehr. Einnahmen aus solchen Aufträgen können die Auslastung der Fahrzeuge und des Personals, insbesondere außerhalb klassischer Spitzenzeiten, erheblich verbessern. Dies ist von großer Relevanz, da Personalkosten durch den Mindestlohn, steigende Energiepreise und hohe Investitionen in neue Fahrzeuge die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe belasten.


Zugleich verlangt die Integration in den ÖPNV vom Taxigewerbe eine hohe Professionalität. Die Einhaltung der *Tarifpflicht* und der *Betriebspflicht* im Rahmen der *Konzession* für den *Gelegenheitsverkehr* ist dabei von grundlegender Bedeutung. Taxiunternehmen müssen sicherstellen, dass sie die Anforderungen an Verfügbarkeit, Pünktlichkeit und Servicequalität zuverlässig erfüllen.



Taxi versus Mietwagen-Plattformen: Ein essentieller Unterschied

Die Unterscheidung zu nicht-konzessionierten Mietwagen-Plattformen ist hierbei entscheidend. Taxis unterliegen als Teil des konzessionierten Gelegenheitsverkehrs strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Sie arbeiten mit festen, behördlich genehmigten Tarifen, die transparent über den *Fiskaltaxameter* abgerechnet werden. Diese *Tarifpflicht* stellt sicher, dass Fahrgäste stets einen nachvollziehbaren und fairen Preis zahlen. Im Gegensatz dazu operieren viele Mietwagen-Plattformen mit flexiblen, teils dynamischen Preisen, die sich nach Angebot und Nachfrage richten können. Die Entscheidung des Schwarzwald-Baar-Kreises, auf Taxis zu setzen, unterstreicht die Wertschätzung für die Verlässlichkeit, Sicherheit und Preistransparenz, die das traditionelle Taxigewerbe bietet.



Digitale Vermittlung und planbare Einsatzzeiten

Damit das neue Modell erfolgreich ist, gewinnen effiziente digitale Vermittlungssysteme und planbare Einsatzzeiten für die teilnehmenden Taxiunternehmen an Bedeutung. Die nahtlose Integration in Buchungsplattformen, die auch die Gültigkeit des Deutschlandtickets verwalten können, ist entscheidend für eine reibungslose Abwicklung. Eine verlässliche Vergütung der erbrachten Leistungen durch den Landkreis ist dabei essenziell, um die wirtschaftliche Beteiligung des Taxigewerbes nachhaltig zu sichern.



Modell mit Vorbildcharakter für den ländlichen Raum

Der Schwarzwald-Baar-Kreis testet mit diesem Ansatz eine innovative Form des Nahverkehrs, in der Bus und Taxi nicht mehr als getrennte, sondern als komplementäre Systeme agieren. Sollte sich das Modell im Alltag als finanzierbar, effizient und nutzerfreundlich erweisen, könnte es zum Vorbild für andere ländliche Regionen Deutschlands werden. Es zeigt auf, wie das Taxigewerbe seine Rolle als verlässlicher Partner in der Sicherung der Mobilität in strukturschwachen Gebieten weiter ausbauen kann – ein wichtiger Schritt hin zu einer zukunftsfähigen und flexiblen Mobilitätslandschaft.